Portele Preisträger 2014: Prim.Univ.Prof.Dr. Walter Hruby

Laudatio zur Preisverleihung des Portele 2014 von Helmut Luckner

FAIR

„Wusstet Ihr alle, dass der gesamte Sprachschatz des Deutschen laut Duden etwa 400.000 verschiedene Wörter umfasst?
Ein gut gebildeter und belesener Mensch in unseren Breitengraden kennt und verwendet davon gerade einmal 75.000 Wörter, also knappe 19 %.

Als Mindestanforderung, um etwa 50 % aller Alltagstexte zu verstehen, werden 3000 Wörter angegeben, was auch dem Wortschatz eines 15 jährigen Schülers entspricht.
Das heißt, mit knappen 0,8 % (!) des deutschen Sprachschatzes beginnt man eine Lehre und kann man schon die Kronen Zeitung lesen!

Im Vergleich dazu wird der Englisch-Sprachschatz mit etwa 520.000 Wörtern beziffert. Die vergleichbaren Zahlen für Teenager und gebildete Erwachsene liegen ebenfalls um ca. 30 % höher als im deutschen Sprachraum.
Das hat vor allem damit zu tun, dass Englisch als echte Weltsprache im Vergleich zum Deutsch viel mehr Erweiterungen des Sprachgutes durch weltweite Einflüsse erfahren hat.

Jetzt werdet Ihr fragen, was denn das alles mit einem Ehrenpreis eines Berufsverbandes zu tun hat.
Was verbindet also den Sprachschatz von Deutsch und Englisch mit unserem PORTELE? 

Ich könnte jetzt sagen – gar nichts – ich habe nur nach einer möglichst von einer bestimmten Person ablenkenden Einleitung gesucht.
Aber das alleine ist es nicht.
Denn:
ich habe in den vergangenen Tagen ausführlich nach einem bestimmten Ausdruck als Leitmotiv für diese Laudatio zunächst in der Muttersprache gesucht und wieder einmal musste ich feststellen, dass uns in Deutsch oft die Worte fehlen.

Bin ich also auf dem Niveau eines 15jährigen oder finden sich in den 75.000 Wörtern meines Sprachschatzes einfach nicht so viele Bedeutungen, die eine bestimmte Person trefflich beschreiben können?

So bin ich denn anschließend im Englischen fündig geworden und habe ein Wort entdeckt, das – obwohl die Briten ohnehin schon mehr davon haben – auch noch viele deutsche Übersetzungen ermöglicht..

Es geht konkret um – oft gehört, nicht so oft hinterfragt – das kleine Wort „fair“ !

Da ist „fair“ zunächst einmal - ziemlich unfair - sowohl Haupt-, wie auch Zeit- und Eigenschaftswort.

Es bedeutet auf Deutsch:
„Messe“, „Ausstellung“, „Jahrmarkt“, „Volksfest“, „Verkleidung“, „Verschalung“, „glätten“, „angemessen“, „anständig“, „ausreichend“, „gerecht“, „sportlich“, „ordentlich“, aber auch „schön“, „billig“, „glatt“, „heiter“ und sogar „blond“.

Ziemlich viele Übersetzungen also.

Schauen wir einmal, was in unsere Geschichte passt.

Also „blond“ scheidet als Hinweis ganz sicher einmal aus.
„Billig“ – nein, das passt auch nicht auf unsere Person.
Auch „ausreichend“ reicht nicht zur Beschreibung aus, ist es doch deutlich zu tief gegriffen.

Jetzt wäre es halt schon interessant – nur so als Zwischenbemerkung – warum ich jetzt gerade so auf diesem Wörtchen „fair“ herumreite.
Die Erklärung liefert uns die Geschichte unseres Berufsstandes.
Obwohl gut ausgebildet und auffallend arbeitswillig, sowie in der Lage, sich gut anpassen zu können, wurden und werden DMTF immer wieder UNFAIR behandelt.

Sei es, in dem man sie als Hilfsdienste bezeichnet hat, oder in dem man sie – weil halt gerade niemand anderer verfügbar war – auch Arbeiten und Dienste machen ließ, um Monate später zu behaupten, das hätten sie gar nicht tun dürfen.
Oder man presste ihnen ein vollkommen anderes Berufsgesetz zusätzlich aufs Auge, statt das ihre anständig zu reformieren.

Deswegen muss man Personen unseres beruflichen Umfelds, die unsereins jahrzehntelang immer FAIR behandelt haben, schon vor den Vorhang bitten.

Zurück zu den Übersetzungen von „fair“!
„Verschalung“ – na ja, vielleicht im Sinne von härterer Schale und weichem Kern.
„Sportlich“ im Sinn von Verhalten – ja, das passt.
Nicht immer trifft „heiter“ zu, aber wer ist das schon ständig?
„Verkleidung“, „Volksfest“, „Jahrmarkt“, diese Ausdrücke wecken den Zyniker in mir. 
Wer sich lange genug mit Medizin und Spitälern beschäftigt, der weiß, dass die Verkleidung der handelnden Personen enorm wichtig ist, der Jahrmarkt an Eitelkeiten immer Saison hat und manche Untersuchungen zum Volksfest mutieren.
Besonders wenn Ärzte höheren Rangs beteiligt sind.

Wer jetzt meint, dass damit ein entscheidender Hinweis gefallen sei, der irrt, denn Ärzte haben wir genug anzubieten und dass es jemanden höheren Rangs treffen wird, ist auch sonnenklar, weil wir den PORTELE sicher nicht jedem Beliebigen geben würden.

„Glatt“ ist die Person nicht, eher mit Ecken und Kanten, also profiliert und sicher nicht durch das Leben so poliert, dass man das das nicht mehr erkennen könnte.

Bleiben noch einige Ausdrücke wie „angemessen“, „anständig“, „ordentlich“ und „gerecht“. 
Da passt einfach alles!
Angemessen ist das Verhalten der Person DMTF gegenüber immer gewesen, ebenso anständig und gerecht. 
Man kann wirklich sagen, dass es nie Unterschiede zwischen uns und etwa Gehobenen MTD gegeben hat, was die Ausbildung betrifft. 
Ja und ich kenne sogar einige Personen, die er ordentlich an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben hat. 

Bliebe noch „schön“. 
Da muss ich an die Tante Jolesch denken – ihr wisst schon – „was ein Mann schöner ist als ein Aff`,....usw.“
Doch genau betrachtet....so schlimm ist es auch wieder nicht.

Was „fair“ leider nicht so genau aussagt, ist die zeitliche Dimension.
Denn damit kann ich nicht beschreiben, dass er seit 34 Jahren (!) ein fairer persönlicher Freund ist.

Der PORTELE 2014 wird „für seine gelebte Fairness gegenüber DMTF“ 
verliehen an Walter Hruby

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